Angler am Baggersee: Forschungen des IGB zeigen, dass dass Baggerseen mehr Fischarten beherbergen als unbewirtschaftete Seen.

Angler fördern Artenvielfalt

Bewirtschaftung erzeugt Diversität
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    Forscher des Leibniz Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben in Zusammenarbeit mit dem Anglerverband Niedersachsen (AVN) den Fischreichtum verschiedener Baggerseen verglichen. Dabei konnten die Wissenschaftler in anglerisch bewirtschafteten Seen eine deutlich höhere Zahl an Fischarten nachweisen als in unbewirtschafteten Gewässern. Die Artengemeinschaft in den von Anglern genutzten Baggerseen sei denen eines vergleichbaren natürlichen Gewässers somit deutlich ähnlicher. Gebietsfremde eingeschleppte Fischarten wurden kaum gefunden.

    In vielen Teilen Deutschlands stellen Baggerseen einen Großteil der Stillgewässer. Nach der Stilllegung holt sich die Natur diese gefluteten Sand- oder Kiesgruben Stück für Stück zurück. Durch das Fehlen von Zu- und Abflüssen werden die meisten Baggerseen jedoch erst recht spät von Fischen besiedelt. Meist gehören kleine Friedfische zu den ersten Arten in neuen Gewässern, größere Raubfische fehlen oftmals ganz. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, was viele Angler schon lange wissen: Durch sorgfältige Hege und Besatzmaßnahmen in Baggerseen leistet das Angeln einen wichtigen Beitrag zur Etablierung einer naturnahen Fischfauna in diesen neuen Gewässern. Während in unbewirtschafteten Baggerseen im Schnitt zwischen drei und fünf verschiedene Fischarten gefunden wurden, lag die durchschnittliche Anzahl an Arten in den bewirtschafteten Seen zwischen sieben und elf.

    Darunter waren auch zahlreiche größere Arten wie Barsch, Hecht und Zander, die in natürlichen Gewässern an der Spitze der Nahrungskette stehen. Die beliebten Angelfische erfüllen dort eine wichtige Funktion, indem sie den Bestand kleinerer Friedfische regulieren. Durch das Einbringen dieser Arten beschleunigen Angler, laut den Wissenschaftlern des IGB, somit die natürliche Entwicklung der künstlich geschaffenen Baggerseen hin zu einem naturnahen Lebensraum. Gewissermaßen greifen die Vereine und Verbände also der Natur genau dort unter die Arme, wo eine Besiedelung der Habitate mit den genannten Arten nur sehr langsam oder gar nicht auf natürlichem Wege vonstatten gehen würde. Das wird besonders bei den in den unbewirtschafteten Seen gefundenen Fischarten deutlich. Hier dominierten vor allem kleine Fischarten wie Stichlinge und Lauben. Beides Fischarten, die dafür bekannt sind, neue Gewässer äußerst schnell zu besiedeln.

    Für die Befürchtungen vieler Naturschützer, Hegemaßnahmen durch Angler würden die Artenvielfalt verfälschen, konnten die Forscher hingegen keine Belege finden. Eingeschleppte, gebietsfremde Fischarten, sogenannte Neozoen, wurden weder in den unbewirtschafteten noch in den bewirtschafteten Seen in nennenswerter Zahl gefunden. Trotz dieser neuen Forschungsergebnisse sollten Angler nun nicht nachlässig werden. Auch wenn der positive Effekt von Hegemaßnahmen auf den Artenreichtum unter Wasser nachgewiesen ist, stellen unsachgemäß entsorgte Hinterlassenschaften von Anglern am Gewässer nach wie vor ein ernst zu nehmendes Problem dar. Es ist nun also an jedem einzelnen mit gutem Beispiel voran zu gehen und gemeinsam daran zu arbeiten, Lebensräume und Ökosysteme zu pflegen und zu erhalten. Egal ob nun durch sorgfältigen Besatz oder durch Achtsamkeit und Sauberkeit bei der Ausübung unseres Hobbies.

    Publikation:
    Matern, S., Emmrich, M., Klefoth, T., Wolter, C., Nikolaus, R., Wegener, N., R. Arlinghaus. Effect of recreational-fisheries management on fish biodiversity in gravel pit lakes, with contrasts to unmanaged lakes. Journal of Fish Biology, https://doi.org/10.1111/jfb.13989

    Quelle: https://www.igb-berlin.de/news/anglerinnen-und-angler-sorgen-fuer-fischartenvielfalt-im-baggersee

    Foto: Florian Möllers

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