Einfluss der Harpunenfischerei auf das Verhalten von Fischen

Wissenschaftler der Berliner Leibniz Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben mit Kollegen aus einigen weiteren Ländern das Verhalten von Mittelmeerfschen hinsichtlich der Harpunenfischerei untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Fische recht genau erkennen, ob sie einem Harpunenfischer oder einem normalen Taucher gegenüberstehen und passen Ihren Sicherheitsabstand und ihr Fluchtverhalten je nach Bedrohungslage an. Dies erschwert besonders Anfängern die Speerfischerei.

Speerfischen Wissenswertes

Was ist Speerfischen? Beim Speerfischen werden Krebse oder Fische tauchend mit einer Harpune oder einem Speer erlegt. Atemgeräte zu nutzen gilt dabei als unsportlich, so dass Speerfischer eine gute Kondition benötigen. Wo ist Speerfischen erlaubt? In Mittelmeerländern wie Italien und Griechenland ist das Speerfischen legal und die Regeln für Touristen können hier von Land zu Land variieren. In Deutschland oder den Ländern Skandinaviens ist die Speerfischerei hingegen verboten.

Die Geißbrasse (Diplodus sargus) zeigte ausgeprägtes Fluchtverhalten | Foto: David Mandos

Fischverhalten untersucht

Die Fischereiwissenschaftler aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien haben das Verhalten von 5 Arten von Küstenfischen in drei Regionen des Mittelmeeres erforscht. Dabei wurde in jeder Region jeweils ein Gebieten erforscht, in dem die Speerfischerei erlaubt ist und – und eines in dem diese Jagdmethode untersagt ist. In jedem Gebiet wurden wiederum schnorchelnde Taucher mit und ohne Harpune eingesetzt. Dabei variierte das Verhalten der Fische mit dem Tauchertyp, der Größe des Fisches und dem Begegnungsort. Nach Aussagen von Dr. Valerio Sbragaglia (IGB) wurde das Fluchtverhalten und das Einhalten eines Sicherheitsabstands umso deutlicher, je gefährlicher die Fische die Situation einschätzten.

Die Fluchtdistanz der Fische wurde dabei als Kennzeichen für den Argwohn der Fische genommen. Unter Fluchtdistanz versteht man allgemein die geringstmögliche Distanz zwischen Jäger und potentieller Beute. In Gewässerregionen wo Speerfischen erlaubt war, flohen große Fische bereits dann, wenn der Taucher in großer Entfernung mit einer Harpune an der Wasseroberfläche erschien. Diese Reaktion war erwartet worden, zumal große Fische die bevorzugte Beute der Speerfischer sind. Die Genauigkeit, mit der die Fische aber zwischen Harpunenträgern und unbewaffnetem Tauchern unterschieden, war verblüffend. Besonders die typischen Zielfische der Speerfischerei zeigten dieses Verhalten im Mittelmeer sehr deutlich und spiegelten somit den langjährigen Fischereidruck wider.

Effekte auch beim Angeln?

Parallelen in den Verhaltensmustern verschiedener Fischarten ist bereits in älteren Studien zum Vermeidungsverhalten von Fanggeräten ermittelt worden. So ließen sich beispielsweise einmal geangelte Karpfen in der Folgezeit weniger leicht fangen. Laut einer Zusammenfassung des Mitautors Professor Dr. Arlinghaus, der an IGB und HU–Berlin zur nachhaltigkeit der Fischerei forscht, konnten in allen Untersuchungen wesentliche Einflüsse der Fischereimethoden auf das Verhalten von Fischen nachgewiesen werden. Die Erfahrung der Fische mit Fanggeräten sorgt dabei dafür, dass sich ihre Fangbarkeit verschlechtert. Viele Angler durften dies von ihren Vereinsgewässern kennen, in denen kapitale Exemplare oft nur noch sehr schwer an den Haken gehen. Besonders für das Monitoring bedeutet dies, dass sich Fischbestände immer schwieriger erfassen lassen. Es werden also immer weniger Fische nachgewiesen als tatsächlich in einem bestimmten Habitat vorkommen.

Valerio Sbragaglia, Lorenzo Morroni, Lorenzo Bramanti, Boris Weitzmann, Robert Arlinghaus, Ernesto Azzurro, Handling editor: Erika J. Eliason (2018) Spearfishing modulates flight initiation distance of fishes: the effects of protection, individual size, and bearing a speargun. ICES Journal of Marine Scienc. DOI: 10.1093/icesjms/fsy059

Quelle: https://www.igb-berlin.de/news/speerfischen-macht-fische-scheu

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