Fang von Edelkrebsen – Scherenträger unter Wasser

Ob Hecht, Barsch, Karpfen oder Schleie; Waller, Barbe, Zander oder Aal, unsere heimischen Gewässer bieten eine ansehnliche Fischvielfalt. Somit bieten sie auch für jeden Angelbegeisterten verschiedene Herausforderungen. Wer dennoch Lust auf mehr Abwechslung hat oder einfach generell an der hiesigen Gewässerfauna interessiert ist, dem soll im Folgenden der Flusskrebs, genauer der Europäische Edelkrebs, näher gebracht werden. Denn der Fang von Edelkrebsen ist eine spannende Angelegenheit. Wissenschaftlich Astacus astacus genannt, ist der Edelkrebs neben dem Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) und dem Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) der größte und auch häufigste ursprünglich heimische Flusskrebs in Deutschland. Obwohl er seinen beiden Geschwistern in Sachen Anpassungsfähigkeit überlegen ist, und daher unterschiedliche Gewässertypen besiedelt, gilt er inzwischen als gefährdet.

Ursachen der Gefährdung von Flusskrebsen

Dazu trug nicht nur die im 20. Jahrhundert zwischenzeitlich starke Gewässerverschmutzung in großen Teilen Deutschlands bei. Auch die bis heute anhaltende Zerstörung vieler Habitate durch Flussbegradigung, Ausbaggern oder Trockenlegen von Seen macht ihm, wie den meisten Wasserbewohnern, zu schaffen. Die größte Gefahr für den Edelkrebs geht hingegen von seinen amerikanischen Verwandten aus. Diese sind, ebenfalls durch Menschenhand, seit etwa 150 Jahren in Deutschland vertreten. Ehemals vereinzelt zu Speisezwecken ausgesetzt, vermehrten sie sich alsbald derart rasch, dass sie heute teilweise gar als Plage betrachtet werden. Das ist beispielsweise im Berliner Tiergarten der Fall. Nicht nur ihre geringen Ansprüche machen Signal-, Sumpf- und Kamberkrebs den europäischen Arten überlegen. Sie brachten allerdings die sogenannte Krebspest, eine Pilzerkrankung, mit nach Europa, gegen die sie selbst immun sind. Die einheimischen Arten werden hingegen von dieser Krankheit dahingerafft.

Die größte Edelkrebspopulation Deutschlands

Die Krebse aus Übersee sind heute in Deutschland deutlich in der Überzahl sind und werden von Fischereivereinen oftmals bereits als “heimisch” angesehen. So gibt es durch Schutzmaßnahmen und Wiederansiedlungsprojekte nach wie vor Orte, wo man unseren Edelkrebs noch oder wieder in teilweise beachtlicher Zahl antreffen kann. Ein ebensolches Gewässer ist der Rottachsee, eine Talsperre im Oberallgäu. Dort ist der Fang von Edelkrebsen einfach möglich. Die Talsperre wurde ehemals als Wasserspeicher für die Donau angelegt. Heute Naherholungsgebiet und Badesee vieler Allgäutouristen, hat das Gewässer auch für Angler und Naturbegeisterte viel Tolles zu bieten. Doch unter den Füßen vieler ahnungsloser Badegäste befindet sich eben auch die wohl größte zusammenhängende Edelkrebspopulation Deutschlands. Diese konnte sich der Autor im August 2018 einmal genauer ansehen.

Fang von Edelkrebsen im Dunkeln

Betritt man das Ufer von Westen, auf der Gemarkung Moosbach, so kommt man an eine tagsüber oft sehr gut besuchte Badestelle. Die Wiese reicht fast bis zur Wasserkante und im flachen Wasser ist der Untergrund kiesig bis sandig. Im tieferen Wasser wird es zunehmend schlammig, aber auch große Makrophytenbestände reichen hier oft bis an die Wasseroberfläche. Erste Exuvien, abgestreifte Krebspanzer, deuten auf die Scherenträger hin. Jedoch ist bis zum Nachmittag keiner der nachtaktiven Krebse zu finden. Das ist kein Wunder, lohnt sich doch der Fang von Edelkrebsen vor allem im Dunkeln.

Also in der Dämmerung erneut ans Wasser und nun traut man seinen Augen kaum. Die Dichte der Tiere ist atemberaubend, bis ins wenige Zentimeter tiefe Wasser ist buchstäblich alles voll. Emsig herum laufend, auf Futtersuche zwischen Laub und schlafenden Plötzen, immer wieder mit benachbarten Artgenossen das eigene Revier am verteidigen, zeigen sich die Krebse in großer Zahl. Wer vorsichtig vom Ufer aus oder unbeweglich im flachen Wasser stehend verharrt, kann die Tiere bei ihren Aktivitäten ungestört beobachten. Das Sammeln von Edelkrebsen ist unter solchen Bedingungen ein Kinderspiel.

Fang von Edelkrebsen, Sammeln von Edelkrebsen

Im flachen Wasser des Rottachsees tummeln sich jede Menge Edelkrebse

Man zählt im Kegel der Taschenlampe teilweise bis zu 30 Tiere, welche sich im flachen Wasser auch leicht, mit etwas Vorsicht, von Hand fangen lassen. Das Sammeln von Edelkrebsen ist hier also denkbar einfach. Dies ist im Übrigen natürlich vom örtlichen Fischereiverein reglementiert, aber im Rottachsee, anders als an den meisten Gewässern, erlaubt. Bis zu 20 Tiere darf eine berechtigte Person (Fischereischein + Tageskarte des Fischereiverein Oy-Mittelberg) pro Tag entnehmen. Als Hilfsmittel zum Fang von Edelkrebsen ist jedoch lediglich ein Krebsteller gestattet.

Erfolg auch am Abend

Nachdem an diesem Tag bereits Barsch und Hecht gefangen wurde, soll der abendliche Ausflug mit der Kamera jedoch genügen und es geht zurück in die Unterkunft. Am folgenden Tag ist jedoch ein großes Krebsessen geplant. Der weitere Fang von Edelkrebsen ist also nötig.  Eine Rückkehr zum See am nächsten Abend scheint demnach gewiss. Doch darum soll es in Teil 2 des Artikels gehen.

Fang von Edelkrebsen, Sammeln von Edelkrebsen

Der Autor mit einem schönen Edelkrebs

Fotos: Griesbaum

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