Megakanäle weltweit

Aquädukte wurden bereits in den alten Hochkulturen errichtet, um die Wasserversorgung von Siedlungen zu gewährleisten. Seither wurden immer mehr Kanäle und Rohrleitungen gebaut, um Süßwasser von wasserreichen Regionen abzuführen. Dies soll als Trinkwasser oder für Industrie und Landwirtschaft in wasserarmen Regionen zur Verfügung stehen.

Aufgrund der zunehmenden Wasserknappheit in trockenen Gebieten und dem Wachstum von Städten steigt der Wasserbedarf stetig. Deshalb werden auch die Wassertranfer-Anlagen immer größer, weshalb immer häufiger von “Wassertransfer Megaprojekten” (WTMP) berichtet wird.

Inzwischen sind weltweit 34 solcher Mega-Anlagen in Betrieb und weitere 76 befinden sich in Planung. Als Megaprojekte gelten “künstliche Flüsse” und Rohrleitungen, die einen Wassertransfer von mehr als 0,23 km³ pro Jahr über eine Strecke von mindestens 190 Kilometer gewährleisten.

Die Auswirkungen der Megakanäle auf Mensch und Umwelt, wurden bislang von keiner zentralen Stelle gesammelt, was die Einschätzung von Umweltfolgen und die Planung solcher Projekte deutlich erschwert. Am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei wurde deshalb ein Forschungsprojekt geschaffen, um diese Wissenslücke zu schließen. Im Rahmen des Projekts erarbeiteten die Wissenschaftler Kriterien für den Aufbau, die Leistungsfähigkeit sowie die Auswirkungen der Megakanäle auf Mensch und Umwelt.

Welche Auswirkungen haben Wassertranfer-Megaprojekte für uns Angler?

Die meisten Wassertranfer-Megaprojekte liegen in Asien und Amerika. Doch auch in Europa befindet sich ein WTMP und ein weiteres in der Bauphase. Diese Anlagen liegen allerdings beide in Spanien. Somit ist Mitteleuropa nicht von den Mega-Anlagen betroffen. Aber kleine Wassertranfer-Projekte sind auch hierzulande zu finden. Dazu gehören beispielsweise die zahlreichen Trinkwassertalsperren.

Selbst diese Anlagen tragen dazu bei, dass Flüsse verbaut und Wanderfische am Aufstieg gehindert werden. Das Wassereinzugsgebiet der Flüsse wird verringert, weshalb die Wasserstände besonders in Dürrezeiten drastisch sinken. Dadurch wird der Lebensraum zahlreicher Fischarten gestört und Schadstoffanreicherungen werden begünstigt. Dies kann im schlimmsten Fall das Gewässer zum Kippen bringen.

Und genau dieselben Problem treten bei WTMPs auf, nur eben in viel größeren Dimensionen. Die bekannten Folgen solcher Projekte sind der Verlust von Laichgründen und der Rückgang von Fischarten, besonders von Wanderfischen. Die Wassertransferkanäle bieten natürlich neue anglerische Potentiale, doch die Strukturarmut solcher Gewässer bringt nur selten gesunde und natürliche Fischbestände hervor. Stattdessen fördern sie eher die Ausbreitung invasiver Arten und hemmen unsere heimischen Fische. Trotzdem dürften sich vor allem anspruchslosere Fischarten in den Kanälen gut befischen lassen. Ob dies allerdings im Interesse der Anglerschaft ist, ist fraglich.

Derzeit sind 12 % der größten Städte weltweit auf Wassertransfer angewiesen und die klimatischen Entwicklungen deuten auf einen zunehmenden Bedarf an Wassertranfer in der Zukunft hin. Dabei stellt sich die Frage, ob die Risiken mit dem Nutzen abzuwägen sind und ob solche Megaprojekte die Wasserversorgung künftiger Generationen gewährleisten können.

Publikation:
Oleksandra Shumilova, Klement Tockner, Michele Thieme, Anna Koska, Christiane Zarfl: Global Water Transfer Megaprojects: A Potential Solution for the Water-Food-Energy Nexus? In: Frontiers in Environmental Science.https://doi.org/10.3389/fenvs.2018.00150

Quelle: https://www.igb-berlin.de/news/megakanaele-weltweit-im-vergleich

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