Ökologische Prozesse in unseren Flüssen erkennen und verstehen

Mit neuem Index wollen Wissenschaftler die Bewirtschaftung von Flüssen erleichtern

Flüsse und Auenlandschaften spielen für den ökologischen Kreislauf eine herausragende Rolle und tragen nicht zuletzt auch zum Wohlergehen von uns Menschen bei. So sorgen etwa intakte Auenlandschaften für einen wirksamen Hochwasserschutz sowie für eine große Artenvielfalt an Flora und Fauna. Doch immer wieder greift der Mensch in diese Gewässerlebensräume ein, um sie z. B. schiffbar zu machen oder sie der umgebenden Infrastruktur anzupassen.

Viele Fischarten bereits ausgestorben

Opfer dieser Maßnahmen sind nicht zuletzt die Fische. An über 50.000 Standorten wurde die aufwärts und abwärts gerichtete Durchgängigkeit unserer Gewässer unterbrochen oder eingeschränkt. Wichtige Biotope und Laichplätze gingen dadurch verloren. Auch der Ausbau der großen deutschen Flüsse zu Binnenschifffahrtsstraßen schränkte die Lebensbedingungen vieler Fischarten erheblich ein. Heute gelten 74 % der heimischen Fischarten als gefährdet oder bereits ausgestorben.

Dies ist nur ein Aspekt von vielen, der zeigt, wie wichtig eine interdisziplinäre Herangehensweise ist. Bauplanungen in diesen sensiblen Gebieten müssen komplex gedacht werden.

Ökosystem entscheidend für menschliches Wohlergehen

Um den Planungsprozess für alle Beteiligten transparenter zu gestalten haben Forscher des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei zusammen mit zehn Partnern ein neues Verfahren entwickelt und in einem Handbuch zusammengefasst. Der sogenannte River Ecosystem Service Index – kurz RESI – bewertet die Folgen von Eingriffen in Flüssen und Auen auf das Ökosystem im Hinblick auf das menschliche Wohlergehen. Grundlage dafür sind allgemein verfügbare Umweltdaten.

Mit RESI werden Zusammenhänge und Wechselwirkungen dargestellt

Bereits seit 2015 erforscht das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Verbundprojekt, wie man am besten versorgende, regulative und kulturelle Leistungen von Flüssen und Auen erfassen und bewerten kann. Das ist jetzt gelungen, indem man für jede Leistung eine Berechnungsformel entwickelt hat. Mit ihrer Hilfe ermöglichen farbcodierte Visualisierungen eine nachvollziehbare Darstellung der verschiedenen Ökosystemleistungen. Auch lassen sich bestimmter Fluss-Auen-Abschnitte auf diese Weise gut miteinander vergleichen.

Vertretern aus Wasserwirtschaft, Tourismus, Naturschutz und anderen Bereichen können so die Auswirkungen und Zusammenhänge unterschiedlicher Planungsvarianten besser vermittelt werden.

Zitat: Wir hoffen, dass mit unserer Methode nicht nur der Hochwasserschutz schneller verbessert werden kann, sondern davon auch die Wasserqualität, die Artenvielfalt und der Erholungswert unserer Flüsse profitieren.“ (Dr. Martin Pusch, Projektleiter IGB)

RESI Verfahren bereits in mehreren Regionen im Einsatz

Bereits getestet und auch angewendet wurde RESI in mehreren Regionen Deutschlands in Zusammenarbeit mit den zuständigen Umweltbehörden. So konnte etwa mit Hilfe des Programms der Hochwasserschutz an einem Abschnitt der Donau optimiert werden.

Nach Aussage des Instituts für Gewässerbiologie kann das Verfahren in allen Flusslandschaften Deutschlands eingesetzt werden, um Raum- und Bauplanungen, etwa zum Hochwasserschutz, aber auch, um Gewässer zu renaturieren, zu erleichtern.

Renaturierung von Gewässern

Gerade was die Renaturierung von Gewässern betrifft, besteht akuter Handlungsbedarf. Mit RESI können entsprechende Vorhaben beschleunigt und evaluiert werden. Ein renaturierter Fluss, der Auen als natürliche Überschwemmungbereiche wieder zulässt, bietet unseren heimischen Fischarten wieder einen Rückzugsraum. Fische nutzen die Auen als Laich- und Nahrungshabitate sowie als Wintereinstände.

Viele Beispiele bereits abgeschlossener Renaturierungsmaßnahmen zeigen, wie schnell Fische auf die Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen reagieren. So tauchten etwa gleich im ersten Sommer nach den Baumaßnahmen in der Hellinghauser Mersch, einem renaturierten Abschnitt der Lippe, wieder Äschen auf, die dort Jahrzehnte nicht mehr gesichtet wurden und der Bestand an Schmerlen nahm auf das Fünffache zu. Auch Quappen konnten wieder erfolgreich angesiedelt werden. Andernorts wurden ähnliche Entwicklungen beobachtet. Für künftige Renaturierungsvorhaben bietet RESI damit ein zuverlässiges und gut anwendbares Werkzeug, dass eine optimale Planung und deren schnelle Umsetzung ermöglicht.

Unter https://www.resi-project.info/handbuch/ kann man das Handbuch herunterladen.

Quelle: https://www.igb-berlin.de/news/umweltleistungen-sichtbar-machen

Fotos: (1) Martin Pusch/IGB (2) IGB

Heiner
Heiner
Heiner ist ein naturbegeisterter Wassersportler, der in den letzten Jahren seine Neigung zum Angeln entdeckt hat. Der Redakteur und Fotograf genießt seine Freizeit vorwiegend an einem der schönen nördlichen Brandenburger Seen, wo er unter anderem tolle Angler- und Gewässerbild schießt.

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