Süßwasserfische in Südeuropa durch Klimakrise stark bedroht

Internationales Forscherteam fordert Schutzmaßnahmen

Ein internationales Forscherteam schlägt Alarm: In den Mittelmeerregionen, vor allem in Griechenland, Spanien und Portugal, nimmt der Fischbestand in Flüssen und Seen rapide ab und Fischarten sterben aus. Die Forscher fordern, dass Schutzprogramme die zukünftigen Veränderungen der Lebensbedingungen stärker berücksichtigen sollten.

Viele Fischarten sind durch Überfischung und den Folgen des globalen Wandels stark gefährdet. Insbesondere sind es die Süßwasserfische, denen der Klimawandel zu schaffen macht. Denn trockenfallende Gewässer, schwankende Wasserstände und stetig steigende Wassertemperaturen erschweren ihre Lebensbedingungen und führen zu ihrer Dezimierung insbesondere in den südlichen Regionen Europas. Etliche Fischarten sind sogar bereits ausgestorben. Laut Roter Liste der IUCN (International Union for Conservation of Nature) bedroht die Klimakrise etwa ein Drittel aller Süßwasserfischarten. Sie gehören somit zu den weltweit am gefährdetsten Arten.

Forscher wollen herausfinden, welche Fischarten besonders sensibel auf Klimawandel reagieren

Wissenschaftler an der tschechischen Akademie der Wissenschaften unter der Leitung von Ivan Jaric haben untersucht, welche Arteigenschaften mit der Sensibilität für den Klimawandel einhergehen. Veröffentlicht wurde die Studie im Fachjournal Global Change Biology. Zum Forschungsansatz des Teams erklärte Jaric:

Zitat: „Die drohende Krise in den Binnengewässern lässt sich nicht durch Fangquoten lösen. Management- und Schutzprogramme der Fischvorkommen in Europa müssen die zukünftigen Veränderungen der Lebensbedingungen berücksichtigen. Dabei gilt es, Regionen und Arten zu identifizieren, auf die der Klimawandel besonders einwirkt.“

Gefährdete Kleinfische spielen wichtige Rolle in den Nahrungsnetzen

Die Lebensbedingungen von über 443 verschiedenen europäischen Süßwasserfischarten wurden von den Forschern analysiert. Die besonders empfindlichen Arten wurden daraufhin in einer Liste zusammengetragen. Unter ihnen befinden sich vor allem Süßwasserfische, die in Südeuropa beheimatet sind, wo sie starker Hitze und Trockenheit ausgesetzt sind.

Vor allem Kleinfische, die rein wirtschaftlich betrachtet uninteressant sind, befinden sich ganz oben auf der Liste. Allerdings spielen genau diese Arten eine wichtige Rolle in den Nahrungsnetzen und Ökosystemen. Die Forderung der Wissenschaftler ist es daher, bei allen künftigen Schutzmaßnahmen, nicht nur die Fischerei im Blick zu haben, sondern für den Erhalt der Lebensgemeinschaften zu sorgen.

Mit der Veröffentlichung der Studie, an der neben der tschechischen Akademie der Wissenschaften u. a. das Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, die Universität Girona und das norwegische Forschungszentrum NORCE beteiligt waren, wollen die Forscher ein eindeutiges Signal setzen. Schutzmaßnahmen sollten sich in erster Linie auf die durch den Klimawandel bedrohte Fischarten in den europäischen Mittelmeerregionen konzentrieren.

Publikation:

Jarić I, Lennox RJ, Kalinkat G, Cvijanović G, Radinger J. Susceptibility of European freshwater fish to climate change: Species profiling based on life‐history and environmental characteristics. Glob Change Biol. 2019;25:448–458. https://doi.org/10.1111/gcb.14518

Quelle: https://www.igb-berlin.de/news/suesswasserfische-der-mittelmeerregion-der-klimakrise

Fotos (1) Shutterstock

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